Horizont Europa: Das EU-Rahmenprogramm ab 2021

Horizont Europa (engl. Horizon Europe) löst ab 2021 das bisherige europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 ab. Die Europäische Union hat hierfür ein Gesamtbudget von etwa 95,5 Milliarden Euro festgelegt. Die Verhandlungen zwischen der Europäischen Kommission, dem Rat der EU und dem Europäischen Parlament wurden im Frühjahr 2021 abgeschlossen. Damit liegen mit der Verordnung zu Horizont Europa sowie dem Spezifischen Programm die Grundlagendokumente vor.

Horizont Europa ist eines der Instrumente mit dessen Hilfe europäische Politik und hier insbesondere der Europäische Green Deal als eine zentrale politische Initiative der Europäischen Kommission umgesetzt werden soll.

Im Vergleich zu Vorgängerprogrammen ist auch im Hinblick auf die Umsetzung des Europäischen Green Deal die längerfristige Planung von Forschung und Innovation ein wichtiges neues Element von Horizont Europa. Dazu erstellte die Europäische Kommission mit Unterstützung der Mitgliedstaaten den ersten „Strategischen Plan“, der bis 2024 Gültigkeit besitzt.

Weitere Neuerungen in Horizont Europa sind die Einführung von Europäischen Missionen sowie die Neuausrichtung der länderübergreifenden Partnerschaften für Forschung und Innovation.

Hier finden Sie Informationen zu Horizont Europa mit Bezug zum Cluster „Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt“. Allgemeine Informationen zu Horizont Europa finden Sie auf den Webseiten des BMBF, sowie der Europäischen Kommission:

Informationen auf dem deutschen Portal zum Europäischen Rahmenprogramm für Forschung  und Innovation

Informationen des BMBF

Horizont Europa Webseite der Europäischen Kommission - in englischer Sprache

Die Struktur von Horizont Europa gliedert sich in drei Hauptpfeiler:

Aufbau von Horizont Europa (Bild: ©DLR PT)
  • Wissenschaftsexzellenz
    Ziel ist die Stärkung und Erweiterung der Exzellenz der wissenschaftlichen Basis der Union. Dieser Pfeiler besteht aus den Programmteilen:
    • Europäischer Forschungsrat (ERC)
    • Marie-Skłodowska-Curie Maßnahmen
    • Forschungsinfrastrukturen
  • Globale Herausforderungen und europäische industrielle Wettbewerbsfähigkeit
    Ziele dieses Programmpfeilers sind die Unterstützung und Verbreitung von hochqualifiziertem Wissen, Technologien und nachhaltigen Lösungen, sowie die Stärkung der europäischen industriellen Wettbewerbsfähigkeit. Weitere Ziele sind die Unterstützung und Umsetzung der EU Politik sowie der Nachhaltigkeits- und Klimaziele.
    • Dieser Programmpfeiler gliedert sich in sechs Cluster, unter anderem das Cluster „Lebensmittel, Bioökonomie, natürlich Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt“.
    • Dieser Pfeiler beinhaltet ebenfalls die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC).
  • Innovatives Europa
    Ziel dieses Pfeilers ist die Förderung marktschaffender Durchbrüche und innovationsfreundlicher Ökosysteme. Dieser Pfeiler besteht aus den Programmteilen:
    • Europäischer Innovationsrat (EIC)
    • Europäische Innovationsökosysteme
    • Europäisches Innovations- und Technologieinstitut (EIT)
  • Ein weiterer übergeordneter Programmteil ist „Ausweitung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraums“, mit den Unterprogrammen „Ausweitung der Beteiligung und Teilen von Exzellenz“ und „Reformierung und Stärkung des EU-Forschungs- und Innovationssystems“

Europäische Forschungsförderung baut schon seit langem auf verschiedenen Ansätzen auf: Hauptmechanismus sind die jährlichen Aufrufe der Europäische Kommission (EC), deren Inhalte die EC mit den Mitgliedstaaten abstimmt. Daneben gibt es aber weitere Fördermöglichkeiten für transnationale Verbundforschung in den Bereichen Bioökonomie und Umwelt. So werden aus den Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation Partnerschaften unterstützt, in denen entweder öffentliche Förderer ihre Förderung koordinieren, sogenannte öffentlich-öffentliche Partnerschaften (engl. „Public-Public Partnerships“) (P2Ps) - z. B.: ERA-Netze und Joint Programming Initiativen - oder Programme gemeinsam von der Europäischen Kommission mit der Industrie aufgelegt werden, die sogenannten öffentlich-privaten Partnerschaften (engl. „Public-Private Partnerships“) (PPPs) wie beispielweise die Bio-based Industries Joint Undertaking (BBI).

Auch in Horizont Europa soll dieser Ansatz fortgeführt werden. Es ist sogar davon auszugehen, dass deutlich mehr Mittel als in Horizont 2020 in diese Partnerschaften fließen werden. Wir raten daher Antragstellenden bei der Suche nach möglichen Ausschreibungsthemen die in Horizont Europa aufgesetzten Partnerschaften mit in den Blick zu nehmen.

Die bisher bekannte Vielfalt an Partnerschaften und Partnerschaftsmodellen soll allerdings unter dem Dach der „Europäischen Partnerschaften“ zusammengefasst und rationalisiert werden. Es sind drei Arten von Partnerschaften vorgesehen:

  1. Ko-finanzierte Partnerschaften zwischen der Europäischen Kommission sowie Forschungsförderern und anderen öffentlichen Einrichtungen aus EU-Mitgliedsstaaten bzw. Assoziierten Staaten, die gemeinsam Inhalte und Ziele definieren und verschiedene Maßnahmen ergreifen können. Die Finanzierung stammt aus EU- und nationalen Mitteln. Dabei können die Partner selber Forschung und Entwicklung betreiben oder aber als Förderer andere Einrichtungen unterstützen. Vorläufer in Horizont 2020 sind primär öffentlich-öffentliche Partnerschaften wie ERA-Netze, Joint Programming Initiativen und EJP-Maßnahmen. Die Ausschreibungen erfolgen über die jeweiligen Partnerschaften und sind nicht Bestandteil der Horizont Europa Arbeitsprogramme.
  2. Ko-programmierte Partnerschaften zwischen der Europäischen Kommission, EU-Mitgliedsstaaten bzw. Assoziierten Staaten, Industrie und weiteren Akteuren (z. B. Stiftungen), die auf vertraglichen Vereinbarungen zwischen den Partnern beruhen. Diesem Modell entsprechen in Horizont 2020 am ehesten die vertraglichen öffentlich-privaten Partnerschaften, sog. cPPPs (contractual Public-Private Partnerships). Die Ausschreibungen erfolgten in den Arbeitsprogrammen von Horizont 2020. Für die Bereiche Bioökonomie und Umwelt sind in Horizont Europa aktuell keine ko-programmierten Partnerschaften geplant.
  3. Institutionalisierte Partnerschaften, die entweder auf Artikel 185 bzw. 187 AEUV oder der EIT-Verordnung beruhen. In Horizont 2020 entsprechen diesen die öffentlich-öffentlichen Partnerschaften nach Artikel 185, die öffentlich-privaten Partnerschaften als gemeinsame Unternehmungen (Joint Undertakings, JUs) nach Artikel 187, sowie die Knowledge and Innovation Communities (KICs) des European Institute of Technology (EIT). Die Ausschreibungen erfolgen über die jeweiligen institutionalisierten Partnerschaften und sind nicht Bestandteil der Horizont Europa Arbeitsprogramme.

Aktuell sind im Cluster „Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt“ acht Partnerschaften geplant, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den ersten vier Jahren von Horizont Europa starten werden. Bei einigen dieser Partnerschaften handelt es sich um Nachfolgeinitiativen bereits existierender Initiativen unter Horizont 2020, die aber meist thematisch erweitert werden. Zudem werden aber auch existierende Partnerschaften zusammengeführt und auch neue Partnerschaften aufgesetzt. Es ist geplant, alle Ausschreibungen der Partnerschaften auch auf dem Funding & Tenders Portal der EC zu veröffentlichen. Es ist insbesondere bei den ko-finanzierten, aber auch bei den institutionalisierten Partnerschaften damit zu rechnen, dass es (geringfügige) Abweichungen von den Horizont Europa Beteiligungsregeln geben wird.

Die Europäische Kommission hat u. a. die Anträge sowie Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der jeweiligen Partnerschaften des  Clusters „Lebensmittel, Bioökonomie, natürlich Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt“ veröffentlicht.

Für das Cluster „Lebensmittel, Bioökonomie, natürlich Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt“ sind aktuell folgende Partnerschaften vorgeschlagen:

Institutionalisierte Partnerschaften (Art. 185 / 187)

Circular bio-based Europe (Bio-basierte Industrie, voraussichtlicher Start 2021)

Co-funded Partnerships

Accelerating farming systems transition (agroecology) (agrarökologische Prozesse, voraussichtlicher Start 2022 oder 2023)

Animal health: fighting infectious diseases (ansteckende Tierkrankheiten, voraussichtlicher Start 2022 oder 2023)

Environmental observations for a sustainable EU agriculture (agriculture of data) (Digital- und Datentechnologien in der Landwirtschaft, voraussichtlicher Start 2022 oder 2023)

Rescuing biodiversity to safeguard life on Earth (Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt, voraussichtlicher Start 2021)

A climate neutral, sustainable and productive blue economy (klimaneutrale und nachhaltige blaue Wirtschaft, voraussichtlicher Start 2022 oder 2023)

Safe and sustainable food system for people, planet & climate (sichere und nachhaltige Lebensmittelsysteme, voraussichtlicher Start 2022 oder 2023)

Water4All (Sicherung des Wasserbedarfs, voraussichtlicher Start 2021)

Weiterführende Informationen zu den europäischen Partnerschaften unter Horizont Europa finden Sie auf dem deutschen Portal zu Horizont Europa.

Als neuer Ansatz unter Horizont Europa sind europäische Forschungs- und Innovationsmissionen geplant. Diese haben das Ziel, innerhalb eines definierten Zeitrahmens Lösungen für einige der größten weltweiten Herausforderungen zu entwickeln. Missionen sind interdisziplinär und sollen quer über mehrere Cluster umgesetzt werden. Ein eigenes Budget für Missionen ist daher nicht vorgesehen; vielmehr sollen die Mittel aus den entsprechenden relevanten Clustern kommen.

Aktuell werden fünf Missionen vorgeschlagen, zu denen die jeweiligen Entwurfstexte bereits veröffentlicht wurden. Diese wurden von Expertinnen und Experten, den sogenannten Mission Boards, unter Einbeziehung verschiedener Akteurinnen und Akteure und der Öffentlichkeit verfasst. Folgende Missionen sind geplant:

  • Conquering cancer: mission possible: Bis 2030 mehr als 3 Millionen Leben retten, länger und besser leben. Ein genaues Verständnis von Krebs erreichen, Prävention, Diagnose und Therapie verbessern, die Lebensqualität aller von Krebs betroffenen Menschen unterstützen und einen gerechten Zugang zu den oben genannten Bereichen in ganz Europa sicherstellen.
  • Caring for soil is caring for life: Bis 2030 sind mindestens 75 % aller Böden in der EU gesund und in der Lage, wesentliche Ökosystemdienstleistungen zu erbringen, auf die wir angewiesen sind - für gesunde Lebensmittel, Menschen, Natur und Klima.
  • Regenerating our ocean and waters by 2030: Reinigung der Meere und Gewässer, Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und Lebensräume und Dekarbonisierung der „Blue Economy“, um die wesentlichen Güter und Dienstleistungen, die sie bereitstellen, nachhaltig nutzbar zu machen.
  • Accelerating the transition to a climate prepared and resilient Europe: Europa bis 2030 auf die Bewältigung des Klimawandels vorbereiten, den Übergang zu einer gesunden Zukunft in Wohlstand innerhalb sicherer planetarer Grenzen beschleunigen, und Lösungen für gesellschaftliche Veränderungen fördern, die Resilienz stärken.
  • 100 climate-neutral cities by 2030 – by and for the citizens: Unterstützung, Förderung und Präsentation von 100 europäischen Städte als Experimentier- und Innovationszentren bei ihrer systemischen Transformation hin zu Klimaneutralität bis 2030.

Im November 2020 startete eine Vorbereitungsphase für die Missionen, die maximal zwölf Monate dauern wird. Im Anschluss werden die vorgeschlagenen Missionen anhand robuster Kriterien evaluiert und schließlich genehmigt.

Erklärungen zum Hintergrund der Missionen und die Entwurfstexte finden Sie hier: Meldung zu Missionsentwürfen der Europäischen Kommission. Ein Austausch – u. a. auf Online-Veranstaltungen und Kongressen – zur Erreichung der Missionsziele und zu möglichen Maßnahmen der Umsetzung soll früh in Horizont Europa stattfinden: Übersicht über die geplanten Veranstaltungen

Weiterführende Informationen zu den Missionen in Horizont Europa finden Sie auf dem deutschen Portal zu Horizont Europa.